Bürgermeisterkandidatin für Friedrichsdorf. Wahnsinn. Was für eine spannende Zeit. Gerne möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in meine Wochen geben. Was mache ich eigentlich beruflich genau? Wie ist das vereinbar mit der Familie? Welchen Alltagswahnsinn können Sie bestimmt genauso nachempfinden. Interessant, lustig, aber auch emotional, ich nehme Sie einfach ein Stück mit.

17. August - 23. August 2020

Die Sommerferien sind vorbei und für unsere große Tochter heißt es, jetzt geht es in die 3. Klasse. Wo ist nur die Zeit geblieben? Unglaublich. Diese Woche hatte es in sich. Nachdem am Montag die Große wieder loslegte, stand am Dienstag die Einschulung unserer kleinen Tochter bevor. Das war emotional. Unsere kleine Maus war doch eben noch das süße Kindergartenkind und jetzt tappelt sie ganz stolz los, mit ihrem großen Schulranzen. Die Einschulung war natürlich geprägt von Corona, jede Klasse wurde einzeln eingeschult, mit Maske und Abstand in der Sporthalle. Aber es war sehr schön. Die Peter-Härtling Schule hat sich sehr viel Mühe gegeben und trotz der Einschränkungen war es eine gebührende, schöne Einschulung. Nathalie war mit dem Inhalt ihrer Schultüte auch sehr glücklich und im Kreise von Oma und den Tanten haben wir den Tag sehr schön verbracht.

Aber wir alle kennen es, es ist natürlich nicht so, dass sich so ein freier Tag nicht auch im Büro widerspiegelt. Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag stand ich dementsprechend ordentlich unter Strom. Am Samstag fand der Kreisparteitag der CDU Hochtaunus mit Neuwahlen des Kreisvorstandes statt. Eine Veranstaltung mit 200 Personen zu organisieren, gehört für mich sonst zu den Dingen, die ich mit Herzblut mache, aber unter Corona-Auflagen, stehe ich schon seit Wochen mit den Vorbereitungen entsprechend unter Strom. Sondergenehmigung einholen, erst mal eine geeignete Halle finden, Hygiene- und Sicherheitskonzept schreiben usw. Und dann eben in dieser Woche noch die Feinheiten. Stimmzettel für 9 Wahlgänge vorbereiten, alles durchspielen, wie die Wahlgänge für 185 Delegierte durchgeführt werden, damit nicht alle aufstehen und in Wahlkabinen laufen. Dafür habe ich Tischwahlkabinen bestellt, jeder bleibt an seinem Platz. Getränke coronakonform in kleinen Flaschen. Da die Gäste ab 9 Uhr kommen und so ein Parteitag bis mindestens 14 Uhr geht, habe ich coronakonforme Lunchtüten besorgt usw.
Diese Woche muss ich noch den Regieplan schreiben, damit auch rechtlich alles sauber abläuft.

Da wir jetzt aber schon mit den Vorbereitungen für die Bundestagswahl 2021 beginnen und hier in allen 13 Stadt- und Gemeindeverbänden Delegierte für den Nominierungsparteitag unseres Bundestagskandidaten gewählt werden müssen, habe ich parallel auch hier die Vorbereitungen. Die Mitglieder aller Verbände müssen fristgerecht eingeladen werden. Natürlich finden die Mitgliederversammlungen alle an unterschiedlichen Tagen statt und jeder Verband hat seine Vorstellungen, was an dem Abend noch abgehandelt werden soll, denn manche sind mit ihren Kommunalwahllisten schon so weit, dass auch diese gewählt werden.
Meine Aufgabe ist es, das alles rechtlich sicher zu verpacken. Es müssen also noch ein paar Einladungen raus und der erste Verband hat auch schon in der kommenden Woche seine Sitzung, für den müssen also auch Regieplan und Stimmzettel vorbereitet werden.

Bei knapp 2.000 CDU Mitgliedern in unserem Kreisverband, 13 Stadt- und Gemeindeverbänden, 2 Bundestagsabgeordneten, 2 Landtagsabgeordneten, 1 Landrat, 1 Erster Kreisbeigeordneter und 6 Bürgermeistern habe ich mit meinem Team wirklich aller Hand zu tun und das Aufgabenfeld ist so breit gefächert. Auch hier werde ich immer mal einen kleinen Einblick geben, denn oft hat man wahrscheinlich gar nicht die Vorstellung davon was man als Geschäftsführerin eines Kreisverbandes eigentlich so macht.

Am Sonntag steht dann zum Wochenabschluss der 60. Geburtstag unseres Fraktionsmitglieds Matthias Heinrich im Kalender. Nach so einer Woche freue ich mich darauf im kleinen Kreis auf ihn anzustoßen.

Aber Moment, da war ja noch was: meine Nominierung am Donnerstagabend!
Da die Woche im Büro ziemlich eng getaktet war, hatte ich nicht viel Zeit mich um mich selbst zu kümmern. Aber tatsächlich ist spontan ja manchmal am aller besten. Und da ich auch einfach bin wie ich bin, habe ich mir kurz vor der Nominierung eine Rede geschrieben, genauso wie ich gerade gedacht und gefühlt habe. Wie gerne ich Bürgermeisterin in Friedrichsdorf werden möchte, mit viel Herzblut ich dieses Amt ausüben würde, welche Visionen ich habe und für was ich brenne.

Der Abend war großartig. Unsere Mitglieder haben mir mit langanhaltendem, stehende Applaus das "Go" für den Bürgermeisterwahlkampf gegeben.
Und ich konnte den Abend abschließen mit großer Dankbarkeit.
Und natürlich mit einem: jetzt geht's los! :-)

24. August bis 30. August 2020

Diese Woche verging wie im Flug. Wie in der letzten Woche auch, sind wir im Büro gerade geprägt von den Mitgliederversammlungen. Da geht es schon ganz schön drunter und drüber. Zum Glück habe ich tolle Mitarbeiter, auf die ich mich voll und ganz verlassen kann. Gemeinsam arbeiten wir Hand-in-Hand und gerade diese Woche, nach dem Kreisparteitag am Samstag, hätten wir alle gerne einen kleinen Gang zurückgeschaltet. Aber nicht schlimm. Immerhin haben wir ja auch noch drei Bürgermeisterwahlkämpfe in Schmitten, Kronberg und Glashütten. Da ist bei uns im Büro schon mal großer Trubel. Eine Mitarbeiterin möchte mit mir den Monatsabschluss besprechen und braucht meinen Rat in der Buchhaltung, eine andere hat Fragen zum Schlüsseln der neuen Delegierten, zu Ehrungen und Neumitgliedern. Aber wir müssen auch unbedingt noch eine Grafik für eine Veranstaltungsidee für alle 13 Stadt- und Gemeindeverbände auf die Schiene bringen. Und dann kommt unser neuer Kreisvorsitzender Markus Koob und möchte mit mir seine Visionen besprechen. Da klopft es aber schon und ein Ehrenämter hat Fragen zum rechtlichen Vorgehen beim Wählen der Kommunalwahlliste. Der ganz normale Wahnsinn! Aber das jonglieren von so vielen Dingen liegt mir. Das ist genau das was ich mit Leidenschaft mache.
Am Montagabend steht die Vorstandssitzung des Familienzentrums Fambinis auf dem Plan. Ich bin Beisitzerin und schätze den Verein sehr. Seit der Geburt meiner ersten Tochter, bin ich dort seit 8 Jahren Mitglied. Ich weiß was sie alles für unsere Friedrichsdorf Familien bieten und unterstütze sie deshalb gerne. Das Ehrenamt ist für mich schon immer wichtig gewesen.
Am Donnerstagabend tagt um 18 Uhr das erste Mal unser Wahlkampfteam. Eine tolle Truppe, die mir so viel Rückhalt gibt. Irre. Das wird eine tolle Zeit! Aber um 20 Uhr ruft auch schon der erste Elternabend meiner kleinen Tochter. Da muss ich hin. Family first!
Und am Samstag wird die Woche mit der Taufe meines kleinen Neffen abgerundet. Ich bin Patentante und so stolz!

So geht wieder eine Woche um. Zwischen Job, Ehrenamt und der zweiten Schulwoche. Zum Glück teilen mein Mann und ich uns die Betreuung der Kinder so gut auf. Und wir haben eine liebe Freundin, deren Kinder einmal die Woche bei uns sind, damit sie den ganzen Tag arbeiten kann und einmal die Woche sind unsere Kinder dort. Somit ist die Woche wirklich gut organisiert.

31. August bis 6. September 2020

Ich fang mal ehrenamtlich an. :-) Diese Woche war Sitzungswoche. Zu jeder Stadtverordnetenversammlung, diese finden 6-7 Mal im Jahr statt, gibt es zwei Sitzungswochen. In der ersten Woche gibt es eine Fraktionssitzung zur Vorbereitung, dann folgen an den Abenden die Ausschüsse und in der zweiten Sitzungswoche ist dann noch mal Fraktionssitzung und dann die Stadtverordnetenversammlung. In Friedrichsdorf haben wir den Jugend- und Sozialausschuss, den Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss sowie den Haupt- und Finanzausschuss. Innerhalb der Fraktion ist jeder in einem Ausschuss. Ich beispielsweise bin als Fraktionsvorsitzende im Haupt- und Finanzausschuss. Ohne Geld geht leider fast nichts, deshalb wir hier fast alles besprochen, was auch in den anderen Ausschüssen besprochen wird.

Am Montag ging es also los mit der Fraktionssitzung, am Mittwoch war ich um 19 Uhr ausnahmsweise auch beim Bauausschuss, da ich die Besichtigung des Parks an der Bleiche mitgehen wollte. Um 20 Uhr rief dann aber schon der Job, wir hatten Kreisvorstandssitzung.
Und am Donnerstag hatte ich um 19 Uhr erst Ältestensrat und um 20 Uhr Haupt- und Finanzausschuss.

Freitagabend war dann ein Treffen mit Freunden angesagt. Gemeinsam mit unseren Kindern sind Abende mit Freunden immer eine kleine Oase für uns. Plaudern, lachen und einfach sein. Ich liebe es.

Am Samstagvormittag rief ein Standdienst bei den fambinis, ein Infostand am Taunus Carré um die Programmhefte zu verteilen. Und am Nachmittag bin ich mit meinen Kindern zum Sommerfest der FDP. Mit Abstand wieder zusammenkommen. Für mich ist es schon immer selbstverständlich auch die anderen Parteien zu besuchen. Das handhabe ich schon seit meiner politischen Zeit in Neu-Anspach. Gerade in der Kommunalpolitik sollten doch Parteibücher untergeordneten sein. Gemeinsam setzen wir uns für unsere Stadt ein. Ehrenamtlich und mit viel Leidenschaft.

Schreibt sie denn auch mal was über den Wahnsinn als Mama? Aber klar! Da sitzen wir doch alle in einem Boot. Wir Frauen müssen jeden Tag neu organisieren, weil es nie so läuft wie es soll. Aber das macht es auch so spannend.
Valerie ist jetzt in der 3. Klasse und das merkt man. Wurde in Mathe in der 2. Klasse noch bis 100 gerechnet, sind wir jetzt in der dritten Woche der 3. Klasse bei Rechnen bis 200. Und das erfordert Geduld. Und Geduld gehört nicht zu meinen besten Eigenschaften. ;-) Und dann sitzt da die Kleine, die ganz stolz ist mit ihren ersten Hausaufgaben der 1. Klasse, ist aber ruck zuck fertig, während die Große eben noch länger sitzen muss. Das führt hier und da schon mal zu Geschwisterdiskussionen. Alle mit zwei und mehr Kindern kennen das und können diese nervenaufreibenden, unnötigen Diskussionen nachvollziehen. ;-)

Heute ist Sonntag und ein kompletter, gemütlicher Familientag. Mein Mann ist gerade noch mal mit den Kindern zum Eisessen geradelt (KM für's Stadtradeln sind gefordert :-) ) und ich bereite das Abendessen vor. Und nutze die Zeit um schnell die Woche zu tippen und einen Blick in meinen Kalender der nächsten Woche zu werfen.